Gerrit Nieberg und Ben (Foto- CHIO Aachen: Jil Haak)
Gerrit Nieberg und Ben (Foto- CHIO Aachen: Jil Haak)

Ein Moment für die Ewigkeit

Gerrit Nieberg war der Sensations-Sieger beim CHIO Aachen 2022. Nach seinem Triumph im Rolex Grand Prix reist der 29-jährige Deutsche nun als Anwärter auf den Rolex Grand Prix of Show Jumping zum Spruce Meadows Masters ins kanadische Calgary (7. bis 11. September).

Gerrit, Sie haben beim CHIO Aachen den Rolex Grand Prix gewonnen und sind damit Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping. Wie ordnen Sie diesen Erfolg ein?

Das war ohne Frage der größten Siege in meiner Karriere und für mich und meine Familie ein wirklich sensationeller und ganz emotionaler Moment. Und ganz ehrlich, ich habe eine ganze Weile gebraucht, um zu realisieren, dass das wirklich passiert ist. Wenn ich mir den Ritt ansehe, bekomme ich jedes Mal aufs Neue Gänsehaut. Jeder Reiter träumt davon, diese Prüfung eines Tages zu gewinnen. Dass mir das nun so früh in meiner Karriere geglückt ist, ist natürlich umso schöner. Und jetzt bin ich tatsächlich der Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping. Das ist einfach fantastisch.


Das Stechen in Aachen war richtig spannend. Nach ihrem Ritt waren 40.000 Zuschauer außer Rand und Band – haben Sie das registriert?

Klar, am Ende! Aber vorher, vor allem als ich eingeritten bin, habe ich einfach versucht, mich auf mich und Ben zu konzentrieren und das Stechen so anzugehen, wie ich es mir vorgenommen habe.


Sie haben eine Abkürzung gewagt, die vorher keiner ihrer Konkurrenten gewählt hatte. War das geplant?

Ja, ich habe Steve Guerdat auf dem Abreiteplatz gefragt, ob man die Abkürzung nehmen kann. Er meinte, ich könnte das probieren. Also habe ich das gemacht. Aber ehrlich gesagt, bin ich davon ausgegangen, dass meine Kollegen, die ja alle vor mir dran waren, diesen Weg ebenfalls genommen haben. Erst als während meines Rittes ein Raunen durchs Publikum ging, ist mir bewusst geworden, dass sie das vielleicht doch nicht gemacht haben.


In Aachen konnten Sie unbekümmert auftreten. In Calgary hingegen werden nun alle Augen auf Sie gerichtet sein. Setzt Sie das unter Druck?

Nein, für mich ist es eine Ehre, dass ich das erleben darf. Es macht mich stolz. Natürlich bin ich auch etwas nervös, wenn ich daran denke. Aber unter Druck setzen lassen möchte ich mich nicht. Ich werde versuchen, mich auf vollkommen auf mich und auf Ben zu konzentrieren und alles genauso machen, wie sonst auch.


Sie sprechen ihr Pferd Ben an. Was ist er für ein Typ?

Ben und ich sind nun schon seit vier Jahren ein Team. Im Umgang mit ihm, gibt es ein paar Besonderheiten, die ich beachten muss. So hat er es um sich herum gerne etwas ruhiger. Zuhause, wo er grundsätzlich viel entspannter ist als auf dem Turnier, reite ich ihn oft in der Mittagspause, damit wir etwas mehr Ruhe und Zeit für uns haben. Er fordert immer auch etwas mehr Aufmerksamkeit, die ich ihm aber natürlich gerne gebe. Und das gibt er mir auch zurück. Auf dem Turnier ist er stets hochmotiviert und will immer alles zeigen, was er kann.


Mit welchen Erwartungen reisen Sie nach Kanada?

Vor ein paar Jahren habe ich meinen Vater schon einmal dorthin begleitet, als er dort geritten ist. Dieses Stadion ist beeindruckend, die Hindernisse sind gewaltig. Aber ich habe ein sehr gutes Pferd, das in einer sehr guten Verfassung ist und möchte ich die Chance ergreifen, die sich mir jetzt bietet. Der Rolex Grand Slam of Show Jumping ist eine großartige, sehr traditionsreiche Serie. Der Anreiz ist groß, sich in den weiter Geschichtsbüchern zu verewigen. Aber ich bin natürlich realistisch genug, um zu wissen, dass alle anderen Reiter dieses Ziel auch verfolgen. Ben und ich werden unser Bestes geben und dann werden wir sehen, was möglich ist.



CHIO Aachen 2023

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