Charlotte Fry und Glamourdale. (Foto: FEI/ Leanjo de Koster)

Gold für Fry in Herning – Covid bei Hughes

(Herning) Sie ist ein zierliches Persönchen, die 26-jährige Britin Charlotte Fry. Glamourdale, der glänzend schwarze KWPN-Hengst – einst Weltmeister der Jungen Dressurpferde – ist ein ganz anderes Kaliber und beide zusammen haben sich nun WM-Gold im Grand Prix Special geholt. Der statiöse Hengst ist ein Bewegungstalent, beeindruckend – immer im bergauf. Und seine Reiterin die Coolness in Person.

Dem Team-Bronze mit Everdale bei den Olympischen Spielen in Tokio folgte nun also Gold nach einer kraftvollen Vorstellung. Überglücklich war nicht nur Anne van Olst, Vertraute und Förderin von Fry und Besitzerin von Glamourdale, sondern vor allem Carl Hester, der die Tochter der verstorbenen Olympiareiterin Laura Fry seit ihrem 14. Lebenjahr unterrichtet hat. Schon im Grand Prix zeichnete sich ab, dass es ein ganz enges Rennen in der der Einzelwertung geben könnte. Catherine Laudrup-Dufour, die mit Vamos Amigos das dänische Team-Gold gesichert hatte, konnte im Grand Prix Special nicht ganz so viel “drauflegen” wie Fry (deren Idol übrigens Isabell Werth ist). Als “Lotti” das Viereck verließ, kam Werth – beide “klatschten” sich ab im Einritt.

FEI Silber bei der Heim-WM für Catherine Laudrup-Dufour. (Foto: FEI/ Leanjo de Koster)

Warten auf Isabell

Folgte man den englischen Kommentatoren im ClipMyHorse-Livestream – einer davon Carl Hester –  dann begann wie nahezu immer ein banges Warten mit der Schlussreiterin Isabell Werth. Hester wie auch alle anderen wissen nur zu gut, dass die Rheinbergerin auch dann noch zaubert, wenn alle Welt glaubt, die Utensilien seien ausgegangen. Herausragend gute Passagen, echter starker Galopp, gesetzte, taktreine Piaffen (vor allem die letzte) offenbarten die Qualitäten des DSP Quantaz. Der Hengst ist wie so viele Quaterback-Nachkommen kein Schrittwunder, bleibt aber geregelt und im Takt und das selbst dann, wenn er “unterwegs verklappen muss” wie im GPS. Die geballte Werth-Faust nach der Grußaufstellung zeugte deutlich davon wie zufrieden die neunmalige Weltmeisterin mit dem zwölfjährigen DSP Quantaz an diesem Tag war.

Bronze holte sich die Niederländerin Dinja van Liere mit Hermes von Easy Game noch vor Isabell Werth und einen sensationell guten fünften Platz beim Championatsdebüt belegte Benjamin Werndl mit Famoso OLD. Dem Paar gelang eine herausragend schwungvolle Vorstellung. Unterhalb ihrer Möglichkeiten blieben Ingrid Klimke und Franziskus, der im GPS etwas den Elan vermissen ließ. Morgens hatte Frederic Wandres in Absprache mit Tierärzten und Mannschaftsleitung die Entscheidung getroffen Duke of Britain nicht im GPS zu starten, der Wallach soll sich nachts festgelegt haben in seiner Box. Nicht optimal und jegliche Verletzung will Wandres ausgeschlossen wissen. Daran gibt es nix zu deuteln oder zu kritisieren.

Verantwortung “in english please”

Am Abend nach der Mannschaftsentscheidung wurde es bekannt: der Brite Gareth Hughes ist Covid-Positiv. Das kann wirklich jede/n treffen. Aber nicht jede/r geht damit so “verhaltensoriginell” um, wie der 51-jährige Dressurreiter, der mit dem Team Mannschaftssilber in Herning gewann. 

In Dänemark verlangen die Corona-Regelungen keine Quarantäne.Die deutsche Equipe hätte allerdings Protest bei der FEI einlegen können. “Das machen wir nicht, sportlich ist es entschieden. Das ist nicht unser Stil”, so Equipechef Klaus Roeser, der eindeutig nicht “amused” war.

Von seinen Teamkollegen habe sich Hughes so gut wie möglich fern gehalten, war der Pressekonferenz im geschlossenen Gebäude fern geblieben. Teamreiter Richard Davison ließ auf erstaunte Nachfragen von Journalisten wahrheitsgetreu wissen, “dass Gareth Covid-Positiv” ist. Es sei, so ließ eine britische Team-Sprecherin wissen, alles jedoch gesetzeskonform und mit den Veranstaltern abgesprochen.

Es ist eine Sache, sich an dänische Corona-Vorschriften zu halten. Eine andere ist es, als Covid-Positiver ohne Maske auf dem Siegerehrungspodest dicht an dicht zu stehen und auch Umarmungen ahnungsloser Kolleginnen und Kollegen zu zulassen. Gareth Hughes ist zu wünschen, dass die Infektion schnell vorbei ist und folgenlos bleibt. Es geht nie nur um einen selbst – immer auch um die anderen. Schreibe: Verantwortung “in english please”.

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