Westfalen kürt Siegerstuten vor großem Handorfer Publikum -57. Westfälische Eliteschau

Münster: Am Freitagnachmittag stand die Westfalen-Woche 2022 ganz im Zeichen der Zucht. 43 dressurbetonte und 20 springbetonte Reitpferdestuten sowie 10 Kaltblutstuten setzten sich vor großem, zuchtinteressiertem Publikum auf dem Handorfer Dreieck in Szene. Die dressurbetonte Siegerstute des Jahres 2022 heißt Baroness v. Benicio/Van Vivaldi. In der Konkurrenz der springbetonten Reitpferdestuten siegte Daydream v. Diarado/Cornet Obolensky. Bei den Kaltblutstuten darf sich Hermine v. Higgins/Emilio fortan Siegerstute 2022 nennen.

Insgesamt 12 dressurbetonte Stuten erhielten von der Reitpferdekommission bestehend aus den beiden Zuchtleitern Katrin Tosberg und Thomas Münch, dem Verbandsvorsitzenden Ralf Johanshon sowie Kai Ligges und Claudia Meckmann-Dorsel, die Zulassung für den Endring.

Nuancen machten am Ende den Unterschied und ließen erneut eine Benicio-Tochter als Siegerstute ganz vorne stehen: Baroness lautet der bezeichnende Name der dreijährigen Staatsprämienstute. Die typstarke Stute entstammt aus einem hocherfolgreichen Mutterstamm und wurde von Heinz Schütte, Spelle, aus der Verb.Pr.St. Vicky v. Van Vivaldi gezogen. Im mittleren Rahmen stehend überzeugte die Siegerin des Endrings mit harmonischen Körperpartien und besonderer Bewegungsstärke. Bereits am Mittwoch konnte sich die Stute, die ihre Stutenleistungsprüfung mit einer dressurbetonten Endnote von 9,30 absolvierte, für das Finale des Westfalen-Championats für dreijährige Stuten und Wallache am Sonntag qualifizieren. Aussteller Matthieu Beckmann ließ es sich nicht nehmen, die Stute auf einer abschließenden Ehrenrunde an seiner Hand feiern zu lassen.

Großen Handorfer Applaus gab es auch für die knapp dahinter rangierte 1. Reservesiegerin der Westfälischen Eliteschau: Supergirl v. Sir Heinrich/Laureus aus der Zucht von Berthold Völker, Ahaus. Ausgestellt wurde sie von Christoph Rawert, Coesfeld-Lette. Die bedeutende und auffällig gezeichnete Fuchsstute punktete laut Zuchtleiter Thomas Münch mit „gut gelagerter Schulter und optimaler Winkelung im Hinterbein“. Im Trab fußte die Staatprämienstute stets energisch unter den Schwerpunkt und der Schritt war klar geregelt mit viel Raumgriff. Unterstrichen wird die Rangierung durch das hervorragende Ergebnis der Stutenleistungsprüfung mit einer dressurbetonten Endnote von 9,0.

Dass die Qualitätsdichte auf dem Endring besonders hoch war, spiegelt die Rangierung von gleich drei Stuten auf dem 2. Reserverang wider. Zum einen rangierte die Kommission an dieser Stelle die dreijährige, typvolle Rappstute Be Pretty v. Baron aus der St.Pr.St. Darcie v. Dollmann (Z.: Hendrik Schulte-Märter, Soest; Ausst.: Schulte-Märter & Schulze-Buxloh GbR, Soest). Zahlreiche Staatsprämienstuten und gekörte Hengste sind aus diesem Mutterstamm bereits hervorgegangen. Zum zweiten darf sich die Fuchsstute mit dem kennzeichnenden Namen Fashion in Red v. Fashion in Black NRW/Sir Heinrich aus der Zucht von Josef Osterkamp, Legden über den 2. Reservesieg freuen. Christoph Rawert trat hier ebenfalls als Aussteller der laut Thomas Münch „herrlich aufgemachten Stute mit aktiver Hinterhand“ auf. Last but not least reiht sich eine weitere Dreijährige ein: die Tesla-Tochter Toffifee. Die S.R. Holtwiesche GbR, Gescher, hat die im mittleren Rahmen stehende Braune aus der St.Pr.St. Fairytale v. Fashion Maker gezogen und ausgestellt. Zuchtleiter Thomas Münch lobte die hervorragende Korrektheit der charmanten Stute und hob die gute Trabmechanik hervor.

Fünf der 20 springbetonten Stuten erhielten von der Kommission das begehrte Ticket für den Endring. Dort setzte sich schließlich die Diarado-Tochter Daydream durch und wurde mit der Siegerschärpe für die beste springbetonte Stute 2022 gekürt. Die wunderschöne und ausdrucksstarke Stute wurde von Ralf Blüggel, Hamm aus der Verb.Pr.St. Cassandra von Cornet Obolensky gezogen und kann auf einen bedeutenden Mutterstamm, aus dem u.a. der international erfolgreich Corbinian hervorgeht, verweisen. Thomas Münch befand, dass die sportive und korrekte Stute in ihrer körperlichen Konstitution nicht zu übertreffen sei und blickte auf die überragende Stutenleistungsprüfung mit einer springbetonten Note von 9,1 zurück. Die gemeinsam von Ralf und Désirée Blüggel, Hamm, ausgestellte Stute erfüllt zudem alle Anforderungen für die Vergabe der Westfälischen Hauptprämie, so dass ihr auch diese im Rahmen der Eliteschau zugesprochen wurde.

Über die Reservesiegerstute Cascada JB v. Casallco aus der Verb.Pr.St. Vienna v. Vulkano durfte sich Züchterin und Ausstellerin Janine Biermann, Schloß Holte-Stukenbrock, freuen. Mit besonderer Typausprägung, Sportlichkeit und Eleganz wusste die dreijährige Dunkelbraune zu gefallen. Bereits in ihrer Stutenleistungsprüfung setzte die großrahmige Stute mit einer springbetonten Endnote von 9,15 ein Ausrufezeichen. Cascada JB ist gleichzeitig die erste Staatsprämienstute, die ihre Züchterin Janine Biermann gezogen hat – geehrt wurde diese dafür mit einem Sonderehrenpreis gegeben von der Reiter&Pferde in Westfalen.

2. Reservesiegerin auf dem Endring der springbetonten Stuten wurde Flechtmerhof’s Katendra v. Kannan aus der Verb.Pr.St. Carla von Contendro I (Z.: Werner Meierherm, Detmold). Die großrahmige und kraftvoll trabende Stute, ausgestellt von Ute Walter, Brakel, bewies im Rahmen ihrer Stutenleistungsprüfung beim Freispringen nicht nur Vermögen, sondern eine auffallende Reaktionsfähigkeit und erhielt eine sagenhafte 10,0. Auch diese Stute zeichnet sich durch einen hocherfolgreichen Mutterstamm aus.

Als „kleinen, feinen Ring“ fasste Thomas Münch das Lot der zehn westfälischen Kaltblutstuten zusammen. Insgesamt sechs Dreijährige und vier Vierjährige bewarben sich mit ihrem Auftritt auf dem Handorfer Dreieck um den Titel der Siegerstute. Die Kommission, ergänzt um die Rassevertreter Gerhard Hegemann und Rudolf Brocks, kürte die dreijährige Staatsprämienstute Hermine v. Higgings aus der FN-Bundes- und St.Pr.St. Elfe v. Emilion zur Siegerstute 2022. Die typstarke und charmante Fuchsstute aus der Zucht und ausgestellt von der ZG Meyer zu Hücker, Detmold, überzeugte nicht nur mit ihrer Bewegungsstärke sondern bekam von Thomas Münch ein „mängelfreies Exterieur und ein korrektes Fundament mit gut ausgeprägten Gelenken“ attestiert. Aus der Hand des Vorsitzenden Ralf Johanshon erhielt Züchter Heinrich Meyer zu Hücker die goldene Medaille der Landwirtschaftskammer NRW.

Den 1. Reservesieg und damit die goldene Medaille der FN sicherte sich die Staatsprämienstute Hera v. Hannes Gold I aus der St.Pr.St. Ulana v. Ultimo. Züchter und Aussteller der vierjährigen, typstarken und muskulös aufgemachten Fuchsstute ist Ulrich Henk, Bad Berleburg.

Den 2. Reservesieg konnte sich die dreijährige Lindor/Newton-Tochter Linda aus der Zucht von Josef Kemper, Heek-Nienborg, sichern. Ausgestellt von Martin und Magret Hülsing, Emsbüren, überzeugte die modern aufgemachte Stute insbesondere mit ihrem raumgreifenden Schritt, Korrektheit und guten Körperpartien.

Den Sonderehrenpreis, gestiftet von der Reiter&Pferde in Westfalen für die erste Staatsprämienstute aus eigener Zucht gab es für Nick Reinemann, Trendelburg, Züchter der vierjährigen Staatsprämienstute Nordlicht v. Newton aus der Verb.Pr.St. Merle v. Markant.

Thomas Münch dankte abschließend der Kommission stellvertretend für alle Kommissionsmitglieder, die in den vergangenen Wochen auf den vielen dezentralen Schauterminen Einsatz zeigten. Außerdem freute er sich über das so zahlreich erschienene, zuchtinteressierte Publikum und dankte hier insbesondere den westfälischen Züchtern, die mit ihren Zuchtprodukten die Eliteschau mit dieser Qualitätsdichte erst möglich machten.

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