Nicola Wilson (Foto: FEI)

EM Avenches: Deutsches Vielseitigkeitsteam vorerst auf Platz drei – Andreas Dibowski vorläufig Dritter nach erstem Dressurtag

Avenches/SUI (fn-press). Nach dem ersten Tag der Europameisterschaften Vielseitigkeit in Avenches belegt das deutsche Team mit 57,1 Minuspunkten den vorläufigen Platz drei nach der Dressur hinter Mannschaftsweltmeister und -Olympiasieger Großbritannien (44,2) und Frankreich (56,0). Ebenfalls Dritter ist Andreas Dibowski (Döhle), der zusammen mit FRH Corrida als bestes deutsches Paar das Viereck verließ. Noch ist allerdings erst die Hälfte der 67 Teilnehmer in der Dressur gestartet. 

Nach seinem Ritt erschien die versammelte Teamführung am Ausritt, um Andreas Dibowski zur gelungenen Leistung mit FRH Corrida zu gratulieren. Als Olympiareservisten war das Paar für die Europameisterschaften gesetzt und die Reise nach Tokio schien den beiden gut getan zu haben. „Das Pferd fühlt sich einfach wohl. Sie ist sehr unkompliziert im Umgang mit Transporten und allem Drum und Dran, deswegen hat ihr auch die Tokio-Reise nichts ausgemacht und in den letzten Wochen war sie einfach berechenbar und das hat sie heute eben wieder gezeigt“, sagte „Dibo“. Im Gegenteil habe ihm das Training mit Jürgen Koschel, dem Dressurtrainer der deutschen Vielseitigkeitsreiter, in Tokio sehr gut getan. In die kommenden Teilprüfungen nehmen Andreas Dibowski und FRH Corrida lediglich 25,6 Minuspunkte mit. „Ich war öfter schon mal zufrieden und hatte schlechte Noten. Heute war ich zufrieden und habe gute Noten. So ist es mir lieber“, sagte er.

Den Auftakt für die deutsche Mannschaft gemacht hatte am Vormittag das „A-Team“: Anna Siemer und die Hannoveraner Stute FRH Butts Avondale. Für die 38-Jährige Pferdewirtschaftsmeisterin aus Salzhausen, die schon als Ponyreiterin Team-Gold und als Junge Reiterin zweimal Team-Silber gewann, ist es der erste Start in einem deutschen „Seniorenteam“: „Ich finde ja, wir machen generell einen Teamsport: Mein Pferd und ich sind ja immer ein Team. Aber ein Team mit anderen Reiter-Pferd-Paaren ist noch cooler“, sagte sie. In der Dressur blieb sie mit 31,5 Minuspunkten etwas unter ihren Möglichkeiten und belegt zur Halbzeit Platz 17. „Sie (Avondale) war schon sehr bei mir, damit habe ich gar gerechnet, und sie war konzentriert und hat sich nicht anstecken lassen von der Atmosphäre, das fand ich sehr gut. Ich hätte noch etwas mehr riskieren können. Sie hat es brav gemacht, es ist ein ordentliches Ergebnis, mit Sicherheit geht es deutlich besser“, zog sie ihr Fazit, um dann nach vorne zu blicken: „Wir sind auf einem Turnier, auf dem das Gelände deutlich länger ist als die Dressur und das ist gut für mich und mein Pferd.“

Im Großen und Ganzen zufrieden mit seiner Vorstellung war Einzelreiter Christoph Wahler (Bad Bevensen), auch wenn er und sein Holsteiner Schimmel Carjatan S in Avenches ebenfalls nicht an ihre bisherige Bestleistung herankamen. Mit 26,0 Minuspunkten, dem vorläufigen Platz vier, konnte er sich eine gute Basis für die weiteren Teilprüfungen verschaffen. „Es war eine gute Trabtour, er ist super Schritt gegangen, er war super bei mir. Ich bin allerdings schlecht zum ersten Wechsel hingeritten, das war teuer. Danach war er in der Galopptour sehr entspannt, wirklich gut, und ich hatte ein tolles Gefühl heute“, sagte der 27-jährige Chef des Klosterhofes Medingen. 

Auf den vorläufigen ersten beiden Plätzen konnten sich am ersten Tag die Britinnen Nicola Wilson mit JL Dublin (20,9 Minuspunkte) und Piggy March mit Brookfield Innocent (23,3) behaupten.  

Gastgeber der Europameisterschaften ist der Nähe des Murtensee gelegene Nationale Reitsportzentrum von Avenches (IENA). Hier finden sich auf einer Fläche von 142 Hektar drei Rennbahnen, zahlreiche Reitgelände, Reitbahnen und Paddocks für Training und Wettbewerbe in den verschiedenen Pferdesportdisziplinen. Direkt daneben befindet sich das 1899 gegründete Schweizer Nationalgestüt (SNG), das sich der Ausbildung (von Tierärzten, Agronomen, Reitlehrern, Hufschmieden usw.), der Forschung und Entwicklung im Bereich der Pferdezucht, sowie die Förderung und Unterstützung des Freibergerpferdes, der einzigen heute noch existierende Pferderasse mit Ursprung in der Schweiz, widmet. Avenches war bereits zweimal Gastgeber von Vielseitigkeitseuropameisterschaften: 2007 gingen hier die Junioren, 2008 die Ponyreiter an den Start. „Bislang ist es sehr schön hier, wir haben Glück mit Wetter, wir haben tolle Bedingungen und es ist eine traumhafte Anlage hier“, schilderte Christoph Wahler seine ersten Eindrücke,

Das Hauptaugenmerk der Vielseitigkeitseuropameisterschaften richtet sich allerdings naturgemäß auf die Geländeprüfung am Samstag, wo es einen 5.765 Meter langen Kurs vor allem in der Mitte eines großen Rennbahngeländes zu absolvieren sein wird. „Ich finde das Gelände schwer, es ist sehr anspruchsvoll, sehr viele Richtungswechsel, ganz viele Wegübergänge, wo die Pferde unheimlich gut auf den Füßen sein müssen, viel wechselnder Boden, mit dem man als Reiter rechnen muss“, sagte Wahler und erklärte: „Ich freue mich drauf.“  Hb

So geht es weiter: 
Am Freitag folgt der zweite und abschließende Dressurtag. Dann gehen auch Michael Jung mit fischerWildWave (Startzeit: 11:07 Uhr) und Titelverteidigerin Ingrid Klimke mit SAP Hale Bob OLD (Startzeit: 14:45 Uhr) fürs deutsche Team auf Viereck. Den Auftakt macht allerdings Einzelreiter Dirk Schrade mit Casino um 10.00 Uhr. 

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