Trauer Symbolbild

Steffen Bothendorf verstorben

Mehderitzsch (fn-press). Die deutsche Pferdezucht trauert um Steffen Bothendorf aus Mehderitz bei Torgau in Sachsen. Der ehemalige Leiter des Hauptgestütes Graditz erlag am 30. März seiner schweren Krankheit. Er wurde 66 Jahre alt.

Mehr als 38 Jahre lang waren die Namen Graditz und Steffen Bothendorf eng miteinander verbunden. Nach einer Ausbildung zum Zootechniker/Mechanisator und Studium der Tierproduktion an der Karl-Marx-Universität-Universität in Leipzig übernahm der Diplomagraringenieur nach zweijähriger Einarbeitungszeit in den Graditzer Gestütsbetrieb ab 1982 die Funktion des Zuchtleiters für die Englische Vollblutzucht und wurde in die damalige zentrale Eintragungskommission für das Englische Vollblut der DDR berufen. Graditzer Rennpferde und die Graditzer Rennfarben (weiss-schwarz) hatten innerhalb der Vollblutzucht der DDR einen großen Stellenwert. In den Jahren bis 1990 erreichten Graditzer Rennpferde fünfmal den Sieg im Derby der DDR auf der Rennbahn in Berlin-Hoppegarten sowie weitere Erfolge. Gemeinsam mit der Graditzer Gestütsmannschaft sorgte Steffen Bothendorf in der Zeit der politischen Wende dafür, dass der Dienstbetrieb für die Pferde in Graditz ohne Abstriche aufrechterhalten blieb. Einen herben Einschnitt in seinem Berufsleben bedeutete 1991 unter der Treuhandverwaltung der Ausverkauf fast aller Vollblutstuten und Jährlinge des Gestütes. Mit Bildung der Sächsischen Gestütsverwaltung im Jahre 1992 an den Standorten in Moritzburg (Landgestüt) sowie in Graditz (Hauptgestüt) wurde Steffen Bothendorf die Leitung des Hauptgestütes und gleichzeitig die stellvertretende Leitung der Sächsischen Gestütsverwaltung übertragen. Über 25 Jahre prägte er maßgeblich mit Oberstutenmeister Hans Joachim Smirek die Entwicklung im Hauptgestüt.

Unter Bothendorfs Führung gelang es, unter Nutzung der positiven Effekte der Veredlungskreuzung aus Blutanteilen des Englischen Vollblutes und des Trakehners in Graditz eine hochwertige Zuchtstutenherde für die Reitpferdezucht aufzubauen, aus der seither zahlreiche qualitätsvolle Hengste und erfolgreiche Sportpferde hervorgegangen sind. Die am Standort verbliebene Vollblutzucht wurde Anfang der 1990er Jahre mit Bothendorfs Unterstützung in ein privates Pachtgestüt überführt, das nach wie vor das Graditzer Gestütsbild prägt. Im Zuge der Rekonstruktion der Gestütsanlagen begleitete Steffen Bothendorf die Baumaßnahmen am Standort Graditz und entwickelte zugleich das betriebliche Profil des Gestüts weiter, beispielsweise durch Modernisierung der Besamungsstation, die Aufnahme von Gastpferden oder die Ausbildung des berufsständigen Nachwuchses. Unvergessen bleibt die Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 325-jährigen Bestehens des Gestütes Graditz im Jahre 2011. Parallel zu seiner Tätigkeit im Gestüt engagierte sich Steffen Bothendorf ehrenamtlich im 1990 gegründeten Pferdezuchtverband Sachsen, förderte die Jungzüchterarbeit und wirkte unter anderem im Prüfungsausschuss für die betriebliche und überbetriebliche Berufsausbildung, im Landesprüfungsausschuss für die Pferdewirtschaftsmeister mit. Ab 2005 war er Mitglied im Fachgremium (ab 2017 Arbeitsgremium) Zuchtrichterausbildung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und wirkte an der Erstellung der DVD-Rom „Pferdebeurteilung“ mit. Für die Trakehnerzüchter arbeitete Steffen Bothendorf aktiv im Vorstand des Zuchtbezirkes und war von 2002 bis 2019 Mitglied der Körkommission des Trakehner Verbandes.

Anfang 2018 schied Steffen Bothendorf aus dem aktiven Dienst aus. Im selben Jahr wurde er von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für seine Verdienste mit der Gustav-Rau-Medaille in Silber ausgezeichnet. Darüber hinaus war er Träger der Freiherr von Schrötter-Medaille des Trakehner Verbandes sowie der Goldenen Ehrennadel des Pferdezuchtverbandes Sachsen/Thüringen. 

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